Historischer Hintergrund

Gräfin Erzsébet Báthory wurde 1560 geboren und gehörte einem der reichsten und mächtigsten ungarischen Geschlechter an. Sie war eine der letzten zweier bedeutender Adelslinien. Der eine Familienzweig stellte die Fürsten von Siebenbürgen, der andere sogar den König von Polen.

Ihr Gatte Graf Franz Nádasdy war der oberste Heerführer Ungarns, Kunstmäzen und unangefochtener Herrscher weiter Teile des Landes. Tausende von Leibeigenen und dutzende Ortschaften waren ihm untertan, ein Großteil des niederen Adels von ihm abhängig. In zahlreichen Feldzügen, die er zum Teil aus seinem Privatvermögen finanziert hatte, gelang es ihm, die Türken aus Ungarn zu vertreiben. Dabei metzelte er die islamische Bevölkerung mehrerer Städte grausam hin.

Nach seinem Tod im Jahr 1604 übernahm Erzsébet die Herrschaft über das Imperium der Nádasdy und Báthory. Das gesamte Vermögen beider Dynastien vereinte sich nun im Besitz von Erzsébet Báthory und überstieg das des ungarischen Königs und späteren deutschen Kaisers Mathias II.

Das protestantische Ungarn, taktierte zwischen den verhassten, katholischen Habsburgern und den Türken. Der König von Ungarn, Mathias II., vernachlässigte seine Amtsgeschäfte und zog es vor, gegen seinen Bruder, den deutschen Kaiser Rudolf II., zu intrigieren. So kam es, dass ein Machtvakuum entstand, das die ungarischen Adelshäuser zu unkontrollierter Willkürherrschaft missbrauchten.

So auch Erzsébet Báthory, die ihrem Sadismus gegen ihre eigenen Dienstmädchen freien Lauf ließ. Kleinste Vergehen wurden aufs grausamste bestraft. Aus den Prozessakten geht hervor, dass sich ihr Sadismus dabei ausschließlich gegen Mädchen oder junge Frauen in ihrer näheren Umgebung richtete. So liebte sie es, ihre Opfer zu fesseln und ihnen mit den Zähnen das Fleisch von den Knochen zu reißen. Sie steckte ihren Dienerinnen Nadeln in den Körper, legte ihnen rot glühende Münzen in die Hand oder nähte ihnen den Mund zu. Auch ließ sie im Winter Mädchen in den Schnee werfen und mit kaltem Wasser übergießen, bis sie erfroren. Zwischen 50 und 650 Mädchen soll die Blutgräfin zwischen 1604 und 1610 auf diese Weise ermordet haben. Ob sie dabei die Macht über Leben und Tod genoss, sexuelle Befriedigung suchte oder gar durch Blutbäder ihre Jugend erhalten wollte, ist historisch nicht überliefert, auch wenn einige Vampirlegenden auf Erzsébet zurückgehen.

Ihrem Treiben wurde erst Einhalt geboten, als sie damit begann, selbst adlige Mädchen aus ihrem Gesinde dahinzumorden. Der ungarische Vizekönig Graf Georg Thurzó führte persönlich die Untersuchungen durch. Obwohl sich der ungarische König und spätere Kaiser Matthias II. nachdrücklich für eine Verurteilung der Gräfin einsetzte wurde sie dennoch nie zur Verantwortung gezogen und starb im Jahre 1614 im Hausarrest.


 



Andreas Varesi 2005-2009 / Stand: 14.11.2005 / Aufrufe